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Seite 14 - Juni 2009 (Erinnerungen) PDF Drucken
Geschrieben von: Tamara   
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 01:14 Uhr

08.06.2009 - Ein kleiner Rückblick - Es ist fast genau zwei Jahre her ...


Anfang Juni 2009 - Ich komme gerade von einem Essen mit Freunden zurück. Zu Hause angekommen, steige ich aus dem Auto aus. Eine duftende, kühle Sommernachtluft weht mir in das Gesicht.

Ich kann nicht widerstehen und gehe einige Schritte den Feldweg hinunter. Die Luft riecht intensiv nach den Gerstenfeldern von denen ich umgeben bin. Das Klacken der Blockabsätze meiner Stiefel hallt über die Acker. Meine Gedanken machen sich selbstständig. Ich bemerke nicht, dass ich schon an der Kreuzung des Weges angekommen bin und wie ich fast in Trance nach rechts abbiege.

Meine Erinnerungen weilen im Sommer 2007, kurz vor dem Outing bei meiner Frau.

Die Erinnerungen sind noch nicht verblasst, fast so als wenn es nur einige Tage her ist.


Damals ...

Es war etwas kühler, aber die Luft war auch mit dem Duft der Felder geschwängert. Es war der Duft von Mais.

Es war auch etwa die gleiche Uhrzeit. 23:30Uhr. Es war dunkel.

Seinerzeit trieb es mich einfach hinaus. Tamara musste unbedingt die große, weite Welt erkunden. Ich hatte Angst - war seit der Zeit meiner ersten Schritte noch nie wieder draußen. In der Dunkelheit fasste ich den Mut für einen neuen Anlauf.

Tammy 2007Ich machte mich für meinen kleinen Ausflug mehr schlecht als Recht fertig. Es waren Sachen, die ich mir gerade wieder bei eBay zusammengesucht hatte. Ein wild zusammen gewürfelter Haufen von Kleidungsstücken:

Eine hautfarbene, leicht glänzende Strumpfhose, einen recht billig aussehenden, wadenlangen Jeansrock, eine viel zu große Tunika und Stiefel mit Blockabsatz und einem kleinen Plateau. In meinem BH trug ich Einlagen aus Schaumstoff.

Ich setze meine Perücke aus Kunsthaar auf, zog mir einen Jeansmantel mit Fellkragen über und schlich mich kaum geschminkt zur Kellertür hinaus.

(Ein Bild von meinem Outfit - ich hatte es einige Tage später gemacht - sehr ihr nebenstehend. Ich habe lange überlegt, ob ich zensieren soll, da ich den Anblick heute etwas peinlich finde. ;-) )


Ich ging den Weg zur Straße hinunter - musste dicht an dem Schlafzimmer der Nachbarn vorbei und versuchte dabei so leise wie möglich zu sein. Auf der Straße angekommen, schlug ich den Weg in Richtung der Felder ein.

Meine Absätze schienen mir unerträglich laut auf dem Asphalt zu Klacken. Die ganze Stadt musste meine Schritte hören. Umdrehen wollte ich dennoch nicht. Ich habe mich heute hinaus getraut und wollte das jetzt auch durchziehen. 

Die Kreuzung des Feldweges schien Kilometerweit entfernt zu sein. Ich hörte nur dieses laute Klack, Klack, Klack ...

Endlich kam ich an und bog nach rechts ab. Zum Glück waren die Häuser mittlerweile recht weit weg und auf dem Feld gab es keine Straßenlampen.

Einerseits war ich glücklich, dass ich mich endlich überwinden konnte den Schutz meines Hauses zu verlassen, andererseits hatte ich Angst, dass mich jemand so sah. Ständig schaute ich mich fast panisch um, doch keine Menschenseele war zu sehen.

Ganz langsam kehrt etwas Ruhe in mir ein.

Ich bog auf die Hauptstraße ab und näherte mich langsam dem Ortseingang, wo auch der Weg wieder durch Lampen erhellt wurde. An den Lampen angekommen wurde ich wieder unruhiger - sah mich ständig um.

Ein Auto kam mir entgegen und ich sprang in einen Hauseingang, damit ich auf keinen Fall gesehen werden konnte.

Schließlich kam ich an dem Malergeschäft an, bei dem ich wieder in meine Strasse einbiegen konnte. Ich betrachtete die Silhouette der Frau, die ich in dem Schaufenster des Geschäftes sah und war sogar etwas zufrieden mit dem Anblick. Wenigstens die Formen stimmten - mehr konnte ich in dem Halbschatten nicht erkennen.

Ich löste mich von dem Anblick, stolperte eine kleine Treppe hinunter und bog in meine Heimatstrasse ein. Als ich zwischen den Häusern meiner Nachbarn hindurch schritt, kam mir es vor, als wenn jeder meiner Schritte lauter als der vorherige wurde.

Es waren noch 150 Meter bis nach Hause. Eine unendlich weite  Strecke.

Mittlerweile ist es fast 0:00Uhr. Hoffentlich kommt jetzt kein Nachbar für einen kleinen Nachtspaziergang auf die Straße. Panik in mir! Hoffentlich werde ich auf den letzten Metern nicht doch noch "erwischt".

Endlich komme ich zu Hause an. Fast laufend gehe ich den Weg zum Haus hinauf.

Nachdem die Kellertür ins Schloss gefallen ist, atme ich erst einmal tief durch. Ich bin überglücklich! :-)


Heute ...

Auf der Hauptstrasse angekommen, registriere ich wie weit ich überhaupt schon gegangen bin. Die Erinnerungen von vor zwei Jahren sind rasend schnell an mir vorbeigeschossen. Ich bin froh, dass ich damals diesen Schritt gewagt habe, denn sonst wäre ich wahrscheinlich nicht die, die ich heute bin.

Ich biege in Richtung Ortseingang ab und gehe stolz die Straße entlang. Ich höre das Klacken meiner Absätze. Ein sehr schönes Geräusch!

Die Straßenlaternen kommen näher und ich freue mich schon darauf, dass ich gleich meinen Schatten sehen kann, wenn ich unter den Laternen hindurch gehe und von ihm überholt werde.

Beim Maler angekommen schaue ich natürlich sofort in die Fenster. Ich kann leider wieder nur meine Silhouette erkennen, aber das Bild von mir in meinem Kopf projeziert mein Antlitz in die Umrisse, so dass ich mich geistig wie in einem Spiegel sehen kann.

Ich gehe weiter und schreite förmlich die Treppe zu der Strasse hinunter, in der ich wohne.

Es sind noch etwa 150 Meter bis nach Hause.

Warum kommt jetzt kein Nachbar aus dem Haus? Ich will noch nicht nach Hause, möchte mich noch mit jemandem unterhalten.

Ich komme an meinem Auto an, nehme meine Lederjacke heraus und gehe ins Haus. Ich bin überglücklich!


Jetzt sitze ich im Wohnzimmer, meinen Laptop auf dem Schoß und schreibe diesen kleinen Rückblick.

Nebenbei höre ich "Brothers in Arms" von "Dire Straits". Ich denke an meinen Bruder und muss wieder weinen! Warum???


 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 09. Juni 2009 um 01:22 Uhr
 
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