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Von der Zimmertranse zur selbstbewußten Frau PDF Drucken
Geschrieben von: Tamara   
Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 00:09 Uhr

Von der Zimmertranse zur selbstbewußten Frau

Geschrieben von Indira

 

 

Hallo Ihr Lieben,
ich habe mal versucht, die Erlebnisse meines ersten Auftrittes in der Öffentlichkeit in Worte zu fassen, die eher der Seele als dem Verstand entspringen.

Hier mein Erlebnisbericht vom Oberhausener Treffen:


Indira - Von der Zimmertranse zur selbstbewussten Frau (Eine wahre Geschichte)


.....es ist der 25.August 2008. Ich bin zu Hause. „Special-Trade“ hat meine neuen Silikon-Brüste geliefert. Ich muss sie sofort ausprobieren. Sie sind einzig! Ein herrliches Gefühl, wenn beim Rauchen meine Arme an meinen weichen Brüsten vorbeigleiten ..... ich fühle mich, als hätte ich einen wirklichen weiblichen Busen.

Ich sehe einen Flyer: www.projekt-en-femme.de. Naja, ich kann ja mal reinschauen.
Eine rote Seite öffnet sich. Das sieht doch tatsächlich interessant aus. Hmmm.... die Seite ist nicht öffentlich zugänglich. Ich kann mich ja mal anmelden.... Mit einem flauen Gefühl im Magen gebe ich meine Daten ein (....und wenn das nun jemand liest, der mich kennt ?). Ein Bild ? Neiiiiin ..... um Gottes Willen...... ich kann mich doch nicht öffentlich outen !!!!

Ich lese. In den Forenbeiträgen gibt es Dinge, die ich schon weiss und Dinge, die neu sind. Was ist das ? Events ? Lass mal lesen ! Cool Bilder !
Na die haben ja Mut, sich einfach irgendwo in der Öffentlichkeit zeigen. Ich bin neidisch. Ich stelle mir vor, ich wäre dabei gewesen......

Verdammt, der Gedanke kreiselt ständig in meinem Hinterkopf. Und wenn ich nun auch mal gehe ? NEIN ‚! Kommt gar nicht in Frage. Da sind bestimmt auch andere Leute.... Die sehen mir sofort an was los ist! *grübel* Aber andere trauen sich auch. Die haben sich doch sicher nicht alle geoutet. Ich lese, dass am 18.10.08 ein Treffen in Oberhausen stattfindet. Meine Gedanken schießen Kabolz. Ich wage es zu schreiben, dass ich eigentlich gern würde, aber mich nicht getraue. Peng !! nun ist es passiert. Ich kriege plötzlich Nachrichten, Antworten und dann sogar E-Mails. Sie sind lieb und freundlich. Ich fühle mich plötzlich irgendwie geborgen. Donnerwetter, die sagen alle das gleiche: ist nur Kopfkino – da passiert nichts mit Dir – du wirst es lieben. Ich bim verwirrt. Ist das eigentlich alles nur mein eigener Hirn-Krawall der da ständig an mir nagt? Gott, wäre das toll. Ich als Frau in der Öffentlichkeit. Soll ich ???

Oberhausen ist weit weg! Niemand kennt mich dort! Das Fernsehen wird wohl nicht gleich über mich berichten! Ich habe gelesen, dass alle im Stadt-Gut-Hotel übernachten. Mit zittrigen Fingern wähle ich die Nummer. Schei..... alles ausgebucht. Was nun ? Ok, der Gedanke an die „öffentliche Frau“ hält mich total gefangen. Jetzt ist es egal. Ich buche ein Zimmer im NH-Hotel. Irgendwie wird’s schon gehen.

Heid schreibt alle wollen am Samstag in die City. Whow, wär das cool. Ich kann schon fast an nichts anderes mehr denken. Ich will das !!!! Ich buche noch eine Nacht dazu und gehe ins Bett. Schlafen ? Kein Gedanke. Mein Herz schlägt, als wären Bongos drin. Ich zittere vor Aufregung, wälze mich hin und her. Ich sehe mich in Rock, Stiefeln und Jacke aufgestylt durch ein imaginäres Einkaufszentrum laufen. Es ist 3 Uhr, ich nehme eine Schlaftablette. Die kommenden Wochen sind erfüllt von Einkäufen und online-Bestellungen. Als Zimmertranse habe ich keine vernünftige Jacke, auch keine Handtasche. Du lieber Gott, ein Portemonaie brauche ich auch, ich kann doch dort nicht mit einem Männergeldbeutel hantieren und Kosmetika – auweia, ich habe ja gar keinen Schmuck. Was ziehe ich denn an? So geht das die ganze Zeit. Ich bin total aufgebohrt.

Nach 3 Wochen und einer kompletten Packung Schlaftabletten ist das ersehnte und gefürchtete Wochenende da ! Am Abend vorher habe ich meinen Körper rasiert: Wenn schon, dann richtig, sage ich mir! Wahnsinn !! Was für ein Gefühl !!
Ich bin den ganzen Tag total nervös. Mache Fehler im Job. Nachmittags geht’s dann auf die Autobahn. Es ist voll. Der Verkehr nervt aber er lenkt mich ab. Das Navi bringt mich sicher ans Ziel. Ich checke im Hotel ein. Einen Koffer und eine Reisetasche für 2 Nächte ? Das muss ja auffallen. Die wissen bestimmt alle was ich vorhabe !
Aber komisch, keiner sagt was. Treffpunkt am Freitag Abend ist schon mal die „Distel“. Ich telefoniere mit Heidi. Wie soll ich das machen ? Umziehen und als Frau aus dem Hotel ??? UNMÖGLICH !!!! Heidi sagt, ich könne auch als Mann kommen. Das mache ich!!
Mein Navi führt mich sicher hin. Ich trete ein.

Hey, welch herzliche Begrüßung, die sind aber lieb ! Wir reden den ganzen Abend über meine Lieblingsthemen. Angst und Nervosität weichen einem Grummeln im Bauch. Am anderen Morgen soll gemeinsames Frühstück im Stadtgut-Hotel sein. En femme ! Ach herrje, wie soll denn das funktionieren ? Mandy bietet mir an, dass ich mich bei Ihr im Hotelzimmer umziehen und stylen kann. Zwangsläufig nehme ich das Angebot an. Ich habe meine Schlaftabletten vergessen. Gegen Morgen schlafe ich ein – 1 Stunde !

Nach dem Aufstehen und der üblichen Morgentoilette gehe ich mit der Reisetasche als Mann aus dem Hotel. Keiner sieht mich, als ich in das Hotel komme. Mandy ist fast fertig. Ich ziehe mich um. Mir ist schlecht! Mein Herz schlägt bis zum Hals!
Meine Hände zittern beim Schminken. Ich trage einen schwarzen kniefreien Rock, ein schwarzes Top, dunkelblaue Stiefel und meine neue Jacke mit Fellrand an der Kapuze. Ich bin fertig. Jetzt muss ich raus !!!! Unten angekommen sitzen alle „en femme“ beim Frühstück. Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage den Mann an der Rezeption mit leiser Stimme, ob ich als Hotelfremder gegen Bezahlung für zwei Tage ein Frühstück bekomme. Er antwortet total freundlich: „Sicher, kein Problem!“ Was ist das ?? Er hat mich nicht schief angesehen, er hat nicht abwertend mit mir gesprochen, er war einfach nur freundlich !!
Dreht sich die Welt noch ?? Oder träume ich ? Nix ist passiert, ausser, dass ich jetzt in Ruhe frühstücken kann. Ich begrüße die nun schon Bekannten Mädels und da passiert es ! Es fällt plötzlich wie ein riesengroßer Felsklotz von mir ab ((verdammt, ich krieg Gänsehaut beim Schreiben)). Plötzlich fühle ich mich ganz frei. Mein Herz hüpft vor Freude. Ich muss essen, reden, Kaffee trinken.
Ich habe das Gefühl, ein neues Leben ist angebrochen. Nach dem Frühstück sitze ich relaxed bei einer Zigarette. Fremde Leute kommen herein. Es stört mich nicht. Ich schaue Ihnen ruhig in die Augen. Sie gehen erzählend vorbei. Es ist alles normal. Kein Blitz, kein Donner! ....... alles ganz normal.......

Wir gehen zum Auto. Mein Herz klopft wieder. Nicht so sehr wie vorher, aber eine gewisse Aufregung kann ich nicht leugnen.
Wir sind im Centro, das Auto ist geparkt. Wir laufen ins Einkaufszentrum. Unzählige Leute um uns herum. Manche schauen interessiert, die meisten interessieren sich nicht für uns. Ich bin nun wieder die Ruhe selbst. Wir treffen Gabi. Herzliche Begrüßung !!
Habe einen meiner Ohrclips verloren. Gabi weiss eine Boutique. Ich werde fündig. Kann anprobieren. Keiner interessiert sich dafür !! Whow, was für ein Gefühl. Wir gehen an die Kasse. Die Verkäuferinnen sind nett .... aber ?? Nix aber, einfach nur nett ! Was ist los ? Ich verstehe die Welt nicht mehr !
Ich fühle mich wie eine Frau !!! Alle behandeln mich wie eine Frau !!!! Hey, ich bin ein Frau !!!! Ich schwebe auf Wolke 7 !!

Wir trinken Kaffee,  wir gehen shoppen (mit anprobieren). Ich bin glücklich. Im Kreise meiner Freundinnen. Alles Frauen !

Zum Schluss Eis essen ! Im Eiscafe. Ich muss zur Toilette. Ein mulmiges Gefühl macht sich wieder in meinem Magen breit. Welche Toilette ist eigentlich keine Frage. Es gibt nur eine wo ich hinkann. So wie ich aussehe, kann ich mich schlecht an ein Pissoir stellen. Auch das verläuft ohne Probleme. Die andere Frau in der Toilette macht mir wortlos vor dem Spiegel Platz.

Ich kehre „allein“ zurück zu unserem Tisch. Keiner grinst blöd. Eine Frau lächelt mich an und setzt das Gespräch mit Ihrem Mann fort. Jozy mit Frau und Carola stoßen zu uns. Und da ist es wieder ^^^^ PUFF ^^^^ die Angst ist wie weggeblasen. Ich bin einfach nur „Frau“. Es ist kühl – aber mir ist warm ums Herz.

Wie kriege ich das heute abend hin ? Ich möchte am Abend gern etwas trinken. Heidi bietet mir an, mich mitzunehmen und hinterher an meinem Hotel abzusetzen. Fahre ich als Mann ins Stadtgut-Hotel, muss ich als Frau in mein Hotel und meine Männer- aber auch meine Schmink-Utensilien sind vor dem Stadtgut-Hotel. Ich habe keine Scheu mehr. Ich beschließe, als Frau in mein Hotel zu fahren. Das ist cool ! Ich fahre en-femme mit meinem Auto durch die Stadt, parke im Parkhaus und laufe weiblicherweise in mein Hotel. Von der Rezeption fange ich einen kurzen Blick ein. Keiner verbrennt mich auf dem Scheiterhaufen! Ich schminke mich ab und ruhe etwas. Frisch gestylt und umgezogen verlasse ich mein Zimmer. Im Fahrstuhl steht ein junger Mann. Es lässt mich kalt. Kein dummer Blick, keine Anmache, kein Grinsen. Zur Rezeption werfe ich mit weicher Stimme ein kurzes „Tschüss“ herüber. Man erwidert meinen Gruß freundlich. Ich laufe „en-femme“ allein durch die Stadt zum Stadtgut-Hotel. Wir fahren zur Distel.

Es wird ein wunderschöner Abend mit Gleichgesinnten und Biofrauen. Es gibt viele neue Eindrücke, Tipps und Ideen. Lange Gespräche und „wohlfühlen“ als Frau. Ich bin immer noch Frau. Am Ende fährt mich Heidi ins Hotel. Pahh – nichts besonderes.
Ich kann in dieser Nacht schlafen.

Am anderen Morgen, nach dem Frühstück (en-femme, versteht sich) setze ich mich so wie ich bin in mein Auto. Chrissy ist dabei, wir haben den gleichen Weg. Ich fahre dreiviertel der Strecke als Frau. Zu Hause kann ich mich nicht outen. Aber irgendwie hat ein neues Leben für mich begonnen. Ich bin der nicht mehr die gleiche wie auf dem Hinweg. Ich bin nicht mutig ! Nur selbstbewusst ! Und nichts kann mich daran hindern, das zu wiederholen.

Ich werde wieder aufgeregt sein beim nächsten Mal ! Aber nur noch vor Freude !!!!
Danke Ihre Lieben !
Ihr habt mir das Tor zu einer neuen Welt aufgestoßen !!

Indira

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 00:10 Uhr
 
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