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Frau und Herr Illusion PDF Drucken
Geschrieben von: Tamara   
Montag, den 28. Juli 2008 um 14:29 Uhr

Dies ist der Bericht einer Partnerin, deren Name nicht genannt werden möchte.


Herr und Frau Illusion

Mit einem von mir im Internet veröffentlichtem Tagebucheintrag über schlechten Kaffee fing alles an.
Ein sympathischer Ostwestfale, wir wollen ihn hier mal Herr Illusion nennen, konnte mich in meinem Elend nicht alleine lassen. Er teilte mir auf sehr unterhaltsame Weise mit, dass auch andere Bürostuhlwärmer auf guten Kaffee verzichten und mit schlechten Alternativen auskommen müssten.
Ein paar Wochen lang bombardierten wir uns nun mit Nachrichten und Emails.
Wir sprachen vielleicht nicht über Gott und die Welt, dafür diskutierten wir über solariumverbrannte Hintern, den unmöglichen Tatbestand, dass Ostwestfalen sture Köpfe sind die sich nicht zwischen Ost-Falen und West-Falen entscheiden konnten, über frisch gepressten Zitronensaft und dessen Auswirkung auf die Stimme, kunterbuntes Herbstleuchten, kalten Fingern im Büro und vieles mehr.

Nach unserem ersten Treffen bei (köstlichem) Kaffee, anschließendem Essen im Fußgänger und einem unvergesslichen Auftritt seiner Band im Bunker war beiden klar:
Wir müssen uns unbedingt wieder sehen!

Bei der nächsten Bandprobe war ich dabei. Zwei Stunden lang gabs mächtig was auf die Ohren und auch der Magen sollte hinterher bei McDonalds noch einen lauwarmen Backstein abbekommen.

Unsere Verabschiedung im Auto dehnte sich dann überraschenderweise bis frühmorgens um 3 Uhr aus. Irgendwann zwischen ersten vorsichtigen Berührungen, den ungelenken Versuchen, sich im Auto in den Arm zu nehmen und weiteren interessanten wie amüsanten Gesprächen warf mir Herr Illusion eine (wie mir schien) scherzhaft gemeinte Frage um die Ohren: Ob ich ihn mal in Damen-Dessous sehen möchte. Klar! Für solchen Mist bin ich doch immer zu haben.

Als ich Tage später im Büro meine Emails abrief, hatte ich diesen Einwurf längst vergessen.
Da mich dann jedoch eine (vollständig bekleidete) Frau aus dem Anhang anlächelte, dessen Gesicht sagenhafte Ähnlichkeiten mit dem von Herrn Illusion aufwies, musste ich erst einmal schlucken. Ich glaube nicht, dass ich die Mail gleich beantwortet hab. Und wie ich den restlichen Tag im Büro herum bekam, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.
Da ich Zuhause kein Internet hatte, musste ich mich unter nebulösen Ausreden bei meinem besten Freund einladen und sein Computerzimmer für mich allein beanspruchen.
Die Fotos habe ich sofort auf CD gebrannt und bin unter ebenso dubiosen Ausreden aus seiner Wohnung geflüchtet.

Zuhause habe ich mir dann die Bilder von Frau Illusion sage und schreibe anderthalb Stunden lang angesehen. Erst ungläubig, dann unter schallendem Gelächter (ohne sie lächerlich zu finden, möchte ich hier betonen. Ich konnte einfach nicht anders!). Während ich eine Zigarette nach der anderem verqualmte, stolperte mein Hirn über tausende Fragen.
Ist das ER?
WARUM macht er das?
Wie kann es so täuschend ECHT WEIBLICH aussehen?

Fakt ist: Hätte ich Herrn Illusion nicht gekannt, ich hätte die Dame auf den Bildern für eine Frau gehalten.
Fakt war auch: Ich hatte bis Dato bereits von Damenwäscheträgern, Transvestiten und Transsexuellen gehört. Einige Male hatte ich auch schon mit solchen gechattet, allerdings ohne die Hintergründe, geschweige denn deren Beweggründe zu hinterfragen.
Ich wusste quasi nichts über das Thema, außer natürlich, dass es so etwas gibt.

Da ich (wohl aufgrund eigener negativer Erfahrungen) ein Mensch bin, der sich erst die Meinung der Betroffenen anhört, bevor er sie verurteilt, griff ich zum Telefon.

Welche Fragen ich stellte, kann ich euch nicht genau sagen. Sicher waren einige Warum`s und Wieso`s dabei.
Die kommende Nacht habe ich nicht viel geschlafen, umso mehr habe ich nachgedacht. Am Ende dieser Nacht war mir der Herr Illusion immer noch sympathisch.
Vielleicht sogar ein wenig mehr als zuvor.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, die hier nicht benannt werden sollen und im Übrigen nichts mit IHR zu tun hatten, wurden wir etwa Mitte November 2007 ein Paar.
Von Anfang an war Frau Illusion bei uns ein Thema, das offen behandelt und regelmäßig besprochen wurde. Bald meldete ich mich beim Projekt-en-femme an und fand weit reichende Informationen zu Themen wie TG, TS, CD usw.

An meine erste Begegnung mit Frau Illusion kann ich mich leider auch nur noch dürftig erinnern. Vier Stunden musste ich warten. Vier Stunden, in denen Drei Zimmer für mich tabu waren. Als sie dann vor mir stand, habe ich lange geschwiegen und nur geschaut, angefasst und noch mehr geschaut. Ich bat sie dann, auch mal dieses und jenes Outfit für mich anzuziehen und sehr bald ersuchte ich sie dann auch, sich etwas weniger anzuziehen *zwinker*
Ihr werdet euch sicher fragen, wie ich mich in diesem Augenblick fühlte.
Ich war baff. Auch in der Realität sah Frau Illusion täuschend echt, trügerisch weiblich aus.
Und: Ich war glücklich. Glücklich, weil er sich mir so zeigen konnte.
Ich war auch beruhigt, da ich vorher abschreckende Fotos im Internet sah, auf denen Männer – eindeutig Männer mit Bart und Köperbehaarung – in Damenunterwäsche posierten und ich diesen Anblick nicht bei meinem Freund ertragen wollte. Denn ein solch abstoßendes Bild hätte mich doch abgeschreckt, denke ich. Die Auslebung von Gefühlen ist eine Sache, nicht vorhandene Ästhetik aber eine ganz Andere. Hier stimmte das „Gesamtpaket“.

Das erste Treffen mit lieben Menschen, denen es ähnlich ging wie Herrn / Frau Illusion fand bald statt. Wie ich später erfuhr, war es auch für meine neu gewonnene Freundin das erste Treffen „vor der Haustür“ sowie das erste Treffen überhaupt mit einer Partnerin an der Seite.

Sowohl im Forum als auch bei diesen Treffen wurde mir klar, dass ich es so gut getroffen hatte wie kaum eine andere Lebensgefährtin. Anders als die Meisten habe ich bereits vor einer festen Bindung von der Frau in meinem Manne erfahren und konnte Frau Illusion kennen lernen, bevor es mit Herrn Illusion ernst wurde.

Absprachen und Regeln gab es nicht von Anfang an. Wie denn auch?
Ich wusste nicht, wie ein Leben mit einem CD aussehen würde. Ich ließ mich einfach darauf ein.
Im Laufe der Beziehung kamen ab und an mal Situationen vor, die kritisch hätten verlaufen können, die wir aber mit offenen Gesprächen erfolgreich meisterten.
Als Frau Illusion z.B. freudestrahlend in meiner Unterwäsche vor mir stand, fand ich diesen Aufzug alles andere als akzeptabel.
Eines Tages unterhielt ich mich über mehrere Räume hinweg mit meinem Freund. Als sich dann seine Hände auf meine Schultern legten, drehte ich mich um und blickte ohne Vorwarnung in Frau Illusions Gesicht. Das war ein Schock!

So kristallisierten sich nach und nach Umstände heraus, die wir fortan vermeiden wollen, zum Wohl beider!

Nachteile habe ich in unserer vielleicht nicht ganz so gewöhnlichen Beziehung nie gesehen, im Gegenteil:
Nie zuvor hatte ich eine Freundin, die als Einkaufsberaterin fungierend an meiner Seite stand.
Nie habe ich mich weiblicher gefühlt als mit der „Partnerin“ an meiner Seite.
Es gibt ein gemeinsames Geheimnis, das uns verbindet.
Durch Frau Illusion habe ich unglaublich liebenswürdige Menschen kennen gelernt.

Manchmal höre ich von anderen (PEF-Bio-) Frauen, dass die Frau in ihrem Partner Überhand nimmt, dass es ihnen einfach zuviel wird.
Auch das ist in unserer Beziehung anders. Frau Illusion kommt nur selten aus ihrem Schrank heraus. Ein wenig zu selten vielleicht.

Ich kann nicht behaupten, dass ich meinen Freund verstehe.
Aber ich akzeptiere ihn so, wie er ist.
Ich würde ihn nicht ändern wollen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte.
Denn ich bin mir sicher: Würde ich auch nur eine Winzigkeit an seiner Persönlichkeit ändern – ich hätte nicht mehr den Mann vor mir den ich kennen und lieben gelernt habe!

 
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