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Elenas erste Schritte mit Jessy PDF Drucken
Geschrieben von: Tamara   
Sonntag, den 06. Juli 2008 um 23:17 Uhr
Meine Geschichte und das Kennenlernen der Transgender-Szene begann im Grunde direkt mit dem Outing meines  Partners.

Wir haben uns Mitte Februar im Internet kennengelernt und uns kurze Zeit nach unserem ersten Chat getroffen. Noch vor diesem Treffen schickte er mir einige Bilder von ihm in Frauenklamotten, allerdings schrieb er mir damals, dass er „irgendwann mal“ mit einer anderen Frau Klamotten getauscht und das dann fotografiert hätte, weil es sie scharf gemacht hätte, ihn so zu sehen. Mich hat es damals schon gewundert, wieso er mir diese Fotos schickt, habe mir aber nichts weiter dabei gedacht und gesagt „Tja, wer´s mag-mich macht es nicht an“.

Dazu muss man sagen, dass ich von Natur aus ein recht toleranter und auch offener Mensch bin, der nur bei wenig Sachen Hemmungen hat über etwas zu reden. Wahrscheinlich hat Jessy mir deshalb schon sehr früh die Fotos gezeigt. Im Nachhinein erzählte sie mir, dass sie schon mal „antesten“ wollte, wie ich auf diese Sache reagiere.

Damals hab ich das so gesehen, dass es so etwas wie Neugierde auf der sexuellen Basis gewesen sein musste. Aber kein tiefgründigerer Hintergrund, der für mich von Bedeutung sein würde.

Nach kurzer Zeit sind wir dann zusammengekommen und Jessy sprach nochmal das Thema an. Nun gab sie schon zu, dass sie das „Frauenkleider anziehen“ selber machen würde von Zeit zu Zeit, aber dass sie es sofort sein lassen würde, wenn ich das nicht wollte oder damit nicht klar kommen würde.

Ich hab damals vor ihr gesessen und kurz über die Sache nachgedacht. Mich hat es nicht schockiert, obwohl ich keine Ahnung von der Thematik hatte. Im Nachhinein verstehe ich das selber nicht so ganz. Nach kurzem Überlegen habe ich ihr dann gesagt, dass das ok für mich wäre, sie mich aus der Sache aber bitte raushalten sollte, wenn sie sich z.B. fertig macht. Meiner Meinung nach hätte es von vornherein keinen Sinn gemacht, wenn sie ihre weibliche Seite unterdrückt hätte. Irgendwann kommt diese Sehnsucht dann wieder und dann würden für beide Seiten wieder die gleichen Probleme auftauchen und immer noch ohne geeignete Lösung für beide. Das schloss ich also sofort aus. Für mich selber gab es nur zwei Möglichkeiten für uns: entweder ich arrangiere mich mit dieser Seite seines Lebens, oder die Beziehung hat keine Zukunft. Für mich war das Thema allerdings zu diesem Zeitpunkt abgehakt, denn er war damals einverstanden, mich da rauszuhalten, soweit es ging.

Das Ganze ging ca. 4 Wochen gut, bis Jessy irgendwann anfing rumzudrucksen und mich nochmal darauf ansprach. Sie hatte Angst, dass es doch unsere noch frische Beziehung belasten würde weil sie, wenn sie sich dressed, das Gefühl hat mich zu belügen-eben, weil ich zu Anfang gesagt hatte, dass sie mich raushalten sollte. Ich habe mir ihre Bedenken angehört und beschlossen, mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn ich über ein Thema kein Hintergrundwissen habe, widerstrebt es mir, eine Meinung zu äußern. Damals wusste ich nicht, auf welche Informationen ich stoßen würde oder was mir das Ganze bringen sollte. Im Grunde wusste ich noch nicht mal, wieso ich mich damit beschäftigen wollte.

Gerade in der Zeit habe ich einige Tage zu Hause verbracht, weil ich eine Operation am Fuß hinter mir hatte und an Krücken gefesselt war. Da bot sich mir eine wunderbare Möglichkeit, meine Zeit in die Recherche zu investieren.

Ich habe mehrere Stunden gebraucht, bis ich auf der Seite vom Projekt gelandet bin. Und das mehr durch Zufall-ich war kurz davor aufzugeben, sinnvolle Informationen zu finden im Internet. Hätte ich aufgegeben, wäre ich vielleicht nicht mehr mit Jessy zusammen. Denn, egal, was man als Suchbegriff eingibt in allen Suchmaschinen-man landet als Erstes auf Seiten wie „travesta.de“. Und  dass diese Fotos und Beiträge einfach nur abschreckend sind brauche ich denke ich niemandem zu erzählen. Ich war regelrecht geschockt! Mit „so einem“ wollte ich nicht zusammen sein, das war mir in dem Moment ganz klar!  Auch die verschiedenen Begriffe verunsicherten mich und ich konnte überhaupt nicht mehr selektieren, was ich aufnehmen und was besser wegschmeißen sollte.

Kurz bevor ich aufgeben wollte fand ich dann auf irgendeiner Seite den Begriff „Stammtisch Bielefeld“ und bin auf „projekt-en-femme.de“ gestoßen. Vielleicht klingt es sehr melodramatisch, aber das hat mir wohl doch meine Einstellung zu dem ganzen Thema gerettet.

Zuerst las ich mir das Tagebuch von Maja durch. Ihre Geschichte hat mir Mut gemacht, mich weiter damit zu beschäftigen, auch wenn alles noch sehr undurchsichtig war und es teilweise immer noch ist. Auch das Forum hat mir sehr schnell sehr weitergeholfen. Es machte sofort den Anschein, dass es eine sehr „vernünftige“ Plattform ist und somit habe ich mich den anderen Membern geöffnet und habe sehr nettes und hilfreiches Feedback bekommen.

Ich habe Jessy von der Homepage erzählt, sie aber auch gebeten, mich erstmal alleine damit beschäftigen zu lassen. Ich wollte meine Gedanken erstmal sammeln und ordnen, vorher wollte ich mich nicht mit ihr damit auseinandersetzen. Nach ein paar Tagen schon erzählte ich ihr dann ausführlicher von meinen Recherchen und dem Forum.  Jessy hatte immer Angst gehabt in diesen paar Tagen, dass ich mich „zu sehr“ mit dem Thema beschäftigen und mich da reinsteigern könnte. Dies war aber nicht der Fall-zumindest nach ein paar Tagen des Sackens nicht.

Sie hat sich auch noch am gleichen Tag angemeldet und auch hier, wie ihr vielleicht mitbekommen habt, viel für sich mitnehmen können. Wir haben beide viele neue und nette Freunde gefunden, die uns super geholfen haben und mit denen wir uns immer noch und hoffentlich lange immer wieder treffen werden.  

Den endgültigen Durchschlag für die Sache und für  Jessy war das Schminken und das erste Gegenüberstellen bei Maja und Sonya im März 2008. Nachdem Jessy und ich uns ein paar Tage im Forum rumgedrückt hatten, haben uns die beiden angeboten, uns bei dem ersten Aufeinandertreffen zu helfen und zu unterstützen. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen.  Von dem Tag des Angebots bis zur tatsächlichen Durchführung lagen 3 Tage, in denen Jessy immer wieder schwankte zwischen „Wir gehen hin“ und „Wir lassen das Ganze“. Ich war mir die ganze Zeit sicher, dass wir das durchziehen, denn nochmal würde die Chance nicht kommen und Kneifen kam nicht in Frage. Ansonsten wäre es bestimmt auf Dauer nur noch schlimmer geworden zwischen uns (bzgl. dieses Themas).

Wir haben uns also tatsächlich auf den Weg zu unseren beiden Admins gemacht. Wir wurden sehr herzlich empfangen, was uns sehr geholfen hat. Nachdem wir uns kurz alle zusammen unterhalten und beschnuppert hatten, hat sich Sonya Jessy geschnappt und ist mit ihr für die nächsten 2 Stunden im Badezimmer zur Verwandlung verschwunden.  Maja hat sich derweil sehr nett um mich gekümmert, hat mir viele neue Informationen über Transgender, die Partnerinnen und vieles mehr erzählt, hat mir einige Fragen beantworten und somit schon ein paar Ängste nehmen können. Beide waren mir auf Anhieb sympathisch, was die Sache sehr erleichtert hat für uns.

Als Jessy dann fertig gedressed vor mir stand, war ich schon platt von dem fast perfekt aussehenden jungen Mädchen/jungen Frau, aber auch gleichzeitig erleichtert. Natürlich war es ein befremdlicher Anblick, sowohl für mich als auch für Jessy.  Die Anwesenheit und die ausstrahlende Kompetenz und Sicherheit von Maja und Sonya haben Ihren guten Teil zu dem gelungenen Gegenüberstellung von Jessy und mir beigetragen. Wer weiß, wie weit und wo wir heute wären ohne diese Unterstützung. Wir sind froh, dass wir 1. Das Treffen wahrgenommen und 2. Diese Menschen kennen gelernt zu haben. Auf diesem Weg auch nochmal ein ganz großes und herzliches DANKESCHÖN!

Unsere erste Erfahrung mit der Aussenwelt haben wir auf der After-Work-Party gemacht. Wir kannten mittlerweile eine Hand voll TGs, wollten aber noch weitere kennenlernen und Erfahrungen austauschen. Für Jessy war dieses Event wohl noch aufregender als für mich. Ich habe mittlerweile wenig Probleme mit den TGs und habe mich auf diesen Abend sehr gefreut. Ansonsten hatte ich keine besondere Erwartung an diesen Abend und wollte einfach abwarten, was so passiert und wie es wird.

Nun denn, es war ein sehr lustiger und schöner Abend, den wir gerne wiederholen wollen. Wir haben viele nette Menschen kennengelernt und viele interessante Gespräche geführt. Ich habe auch mit ein paar Partnerinnen reden können, in deren Geschichten und Gefühlswelten ich mich teilweise sehr gut wiedergefunden habe. Der Austausch mit „Gleichgesinnten“ hat und hilft mir immer noch sehr weiter. Auch, wenn man doch mal einen Tiefpunkt hat, kann man sich an sie wenden genauso wie andersrum. Es ist eine unglaublich angenehme Gemeinschaft.

Zum derzeitigen Zeitpunkt (Juni 2008) fühle ich mich sehr wohl mit dem Thema. Jessy und ich haben Kompromisse für uns gefunden, mit denen wir beide leben und uns arrangieren können. Ich fühle mich dabei wohl und kann relativ entspannt abwarten, was noch so alles kommt. Mein nächster Schritt wird in nicht alzu naher Zukunft sein, ein paar Freunden von Jessy zu erzählen. Damit werde ich mich allerdings nicht stressen, bin aber dennoch auf ihre Reaktion gespannt.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Juli 2008 um 21:32 Uhr
 
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