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Seite 6 - September 2007 (weitere Outings und Erlebnisse) PDF Drucken
Geschrieben von: Tamara   
Freitag, den 04. Juli 2008 um 02:02 Uhr

02.09.2007 Tamara wird Mama

Heute hat sich "holgi72" beim Projekt-en-femme angemeldet und ein bisschen über sich erzählt.
Maja hat vorgeschlagen, dass Holgi sich schnellstens einen weiblichen Namen zulegen solle um "Vollkommener" zu sein. Darauf meinte dann Holgi: "Ich glaube, dass man sich Namen eigentlich nicht aussuchen kann...Namen werden gegeben und man trägt ihn, weil man ihn bekommen hat!"
Das war mein Stichwort. Ich habe Holgi "Katja" als Namen vorgeschlagen und darauf meinte Holgi: "Wenn ich mich für Katja entscheide nenn ich dich Mama!"
Minuten später hatten sich noch andere Forenmitglieder gemeldet und den Namen "Katja" auch für toll befunden. Darauf hin hat Holgi den Admin gebeten, ihren Usernamen von holgi72 in "Katja" zu ändern.
Ab diesem Zeitpunkt haben mich viele der Member "Tammy-Mammi" genannt! Rekord: ... vom erwachsen-werden zur Mutter in nur 12 Tagen!

 

04.09.2007 Im Steakhouse (Bielefeld)

Kurzfristig haben wir (Sonya, Maja, Dine, Conny, Wally und Ich) uns entschlossen ins Magnus nach Bielefeld zu fahren.
Ich habe mich also umgezogen, geschminkt und bin dann schnur-stracks nach PW gefahren. Dort angekommen, habe ich Maja, Dine und Sonya ins Auto eingeladen.
Nachdem ich einer Seitenstraße geparkt hatte, sind wir zusammen in Richtung Magnus marschiert. Ich war dabei gar nicht so aufgeregt, wie auf dem Weg zum Peppers.
Auf dem Weg hat mich Maja gefragt, ob ich lust hätte im Team "en femme" mitzuarbeiten. - Natürlich hatte ich lust und habe das angebot angenommen!!!
Als wir nach kurzer Zeit vor dem Lokal standen, mussten wir feststellen, dass es wegen Umbauarbeiten geschlossen war. Mist - und nun? Sonya hat kurz mit Wally telefoniert und dann kam auch schon Conny (als Mann) um die Ecke gebogen. Ich hatte mit Conny vorher auf dem Kaffeklatsch nur wenige Worte gewechselt, aber als dann dieser Mann vor mir stand, war mir sofort klar: Das ist Conny! Zumindest von meiner Seite aus, war auf anhieb sehr viel Sympatie da.
Nach kurzer Beratung haben wir uns entschlossen ins Steakhaus zu fahren. Dine ist dann bei Conny ins Auto gehüpft und Sonya und Maja sind bei mir mitgefahren. Auf dem Weg zum Auto, standen uns ein paar ausländische Mitbürger im Weg, die uns blöd angeguckt haben. Maja ist an denen vorbeigegangen, wobei Sonya und ich uns geschäftig auf der anderen Seite der Parkenden Autos vorbei gequetscht. Kurz vor dem Auto kamen uns noch einmal ein ausländische Mitbürger entgegen. Maja hat versucht Sonya vor ihnen abzuschirmen, was aber nicht so ganz geklappt. Sie haben dann noch so einen Spruch gelassen, wie "Ey, Du Transe?" ... ab ins Auto und nix wie weg.
Unterwegs haben wir Dine und Conny getroffen, die uns zu einem Hinterhofparkplatz lotzten, welcher ihnen von Wally empfohlen wurde.
Als ich aus dem Auto ausstieg habe ich mich plötzlich Pudelwohl gehfühlt. Wir sind über den Parkplatz zum Restaurang gegangen und haben dabei rumgescherzt.
Ich kam mir auf dem Weg zum Agentinier bei so einer tollen Begleitung seltsam unbefangen vor. Im Lokal hat uns der Kellner einen runden Tisch direkt am Eingang zugewiesen. Die Bedienung hat uns ganz normal behandelt. Sie war weder aufdringlich, noch zurückhgaltend. Wally kam ein wenig später nach und gesellte sich zu uns.
Wir haben uns viel unterhalten, lecker gegessen und dann noch etwas an einem Flyer für das Projekt "en femme" gearbeitet.
Zwischendurch ist eine Frau, die das Lokal verlassen wollte vor die Galstür gelaufen. Sie ging ans uns vorbei, guckt uns an und ging weiter. Irgendwie hat sie wohl darüber gegrübelt was denn hier wohl nicht stimmt und hat uns eindringlich gemustert - und dann hat's geknallt - und haben uns gefreut.
Schließlich sind wir aufgebrochen und haben uns von Wally und Conny verabschiedet.
Ich habe dann Sonya und Maja nach Hause gefahren und Dine und ich haben uns vor deren Haus noch auf einen Kaffee im MC in PW verabredet. Als wir dort ankamen, hatte MC leider zu. Wir haben dann dort bis 1Uhr Nachts auf dem Parkplatz gestanden und über Gott und die Welt gequatscht.

 

05.09.2007 Der Schrank

 Tamaras Sachen lagen bis jetzt immer in Ihrem Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch rum. Heute morgen kam Nathie ins Büro und sagte: "Warum lässt Du Deine Sachen eigentlich hier so rumliegen. Im Gästezimmer ist doch noch so viel Platz. Kauf Dir doch mal einen Kleiderschrank." Ich muss zugeben, ich war ein wenig überrascht. Da ich heute geschäftlich in Rheine zu tun hatte, kam ich wie durch Zufall an dem IKEA in Osnabrück vorbei - und jetzt ratet mal, was ich dort gekauft habe? ... na einen Kleiderschrank mit einer Spiegeltür natürlich!

 

06.09.2007 Die SMS

Ich wollte schon lange meiner besten Freundin aus Jugendjahren erzählen, dass ich Transgender bin. Heute Morgen habe ich ihr eine SMS geschrieben und um ein Gespräch unter vier Augen gebeten. Morgen Abend soll ich sie mal anrufen. Ich bin gespannt wie sie reagiert.


07.09.2007 Es geht keiner ans Telefon

 Heute habe ich wie abgesprochen bei meiner Freundin angerufen. Den ganzen Tag habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, wie ich es ihr beibringen werde. Auch hatte ich Angst davor, dass sie vielleicht entsetzt den Hörer auflegen wird. Dann habe ich doch allen Mut zusammengenommen und bei ihr angerufen. Sie ist aber auch nach mehrfachen Anrufen nicht ans Telefon gegangen. Ich war maßlos enttäuscht, da es für mich sehr schwer war, überhaupt den Mut aufzubringen und dann kein Ventil zu haben um die angestaute Aufregung abzulassen!

 

11.09.2007 Das Abendkleid

Heute ist das Kleid angekommen, welches ich mir für den Galaabend bestellt habe. Als ich das Kleid anprobiert hatte, war ich unendlich enttäuscht. Auf dem Foto hat es so toll ausgesehen, aber als ich es anprobiert hatte, wollte ich es mir gleich wieder vom Körper reissen. Vorn Hals bis unter die Brust sah es ganz wunderbar aus und lag schön am Körper an, aber Unterbrust viel es wie ein Sack ... ich sah aus wie eine Tonne! Ich habe es Versuchsweise noch mit Klammern ein wenig in Form gebracht. Eine Änderungschneiderin hätte es wahrscheinlich in Form bringen können, aber ich hätte es dann ja im Laden anprobieren müssen - das wäre bestimmt peinlich geworden. Ich werde das Kleid zurück geben und morgen bestelle ich mir das andere Kleid, welches ich noch zur Auswahl hatte. 

 

13.09.2007 Das Abendkleid - Part 2 und das 2. Outing

Heute ist das andere Kleid angekommen. Ich habe es gleich anprobiert und vor Freude gestrahlt, denn darin fühle ich mich richtig wohl weil es viel besser passte! Ich bin schon auf die Meinung von Nathie, Dine, Sonya und Maja gespannt! Jetzt muss ich mir noch ein Paar Pumps oder Sandalen und passende Accessoires besorgen. Morgen werde ich darum mal bei eBay einkaufen gehen!

Heute hat mich meine Freundin angerufen und gefragt, warum ich nicht gemeldet habe. Es stellt sich heraus, dass es ein Missverständnis war und wir uns einfach im Datum vertan haben. Eigentlich wollte ich mit ihr ein Treffen vereinbaren, um ihr persönlich zu "beichten" dass ich Transgender bin. Leider hatte ich mich am Telefon ein wenig verplappert und sie sehr neugierig gemacht. Schließlich hat sie mich dazu überredet, dass ich ihr jetzt gleich am Telefon sage was los ist. Ich hatte damit gerechnet erst einmal Funkstille zu hören, weil sie vielleicht entsetzt ist, aber davon war keine Rede. Sie war davon sehr begeistert und ganz Aufgeregt. Am liebsten hätte sie mir gleich ihre 1001 Fragen gestellt. Sie hat sich auch sehr darüber gefreut dass ich ihr ein so großes Vertrauen entgegenbringe. Am Samstag fahre ich zu ihr, da sie mal ein paar Bilder von Tamara sehen will. Meinte, "Ich kenne Dich nur als Mann und kann mir nicht vorstellen, Dich in Frauenkleidung zu sehen. Entschuldige mich bitte, wenn mir ein Grinsen herausrutscht. Es ist dann wirklich nicht böse gemeint"! So etwas ähnliches hat meine Frau auch gesagt, bevor sie Tamara das erste mal gesehen hat. Ich denke und hoffe, dass es meiner Freundin auch so ergehen wird!

 

15.09.2007 Das 2. Outing und die Shoppingtour

Für heute um 10:00Uhr hatte ich mich meiner Freundin verabredet. Als ich ihr gegenüber stand, fragte ich mich, wer hier wohl aufgeregter sein. Sie sprang von einer Ecke in die andere, wuselte hier und dort. Schließlich setzten wir uns gemütlich mit einer Tasse Kaffee in das Wohnzimmer. Auf die Frage, wie sie sich Tamara denn vorstellen würde, konnte sie mir keine Antwort geben.  Sie hatte sich über das ganze Thema den gestrigen Abend noch Gedanken gemacht, konnte sich aber nur ein verschwommenes Bild machen. Da sie mich seit unsere Kindheit kennt, konnte Sie sich absolut keine Vorstellung machen, wie ich denn wohl als Frau aussehen würde. Ich klappte mein Laptop auf und zeigte ihr ein erstes Foto und danach gab es erst einmal eine Schweigeminute. "Das bist Du?" fragte sie ungläubig und ich zeigte ihr den Rest der Fotos. Sie hatte mit allen gerechnet, nur nicht damit, dass sie eine "richtige" Frau sehen würde.  Sie hatte etliche Fragen: Wie bist Du dazu gekommen, Warum machst Du das und was bringt es Dir, u.s.w. Ich versuchte all ihre Fragen so gut wie Möglich zu beantworten, habe aber dabei bemerkt, dass ich manche Fragen auch nicht zu 100% beantworten konnte. Schließlich haben wir uns über das Schminken, Kleidung kaufen, ausgehen u.s.w. unterhalten. Die Zeit verging wie im Fluge und nach 1,5 Stunden mussten wir uns dann verabschieden, obwohl es noch so viel zu fragen und zu erzählen gab. Morgen fahre ich noch einmal kurz bei ihr vorbei, damit sie Tamara mal in natura sehen kann.

Nach dem Frühstücken bin ich (als Mann) dann mit meiner Frau nach Minden zum shoppen gefahren. Anfänglich ging das Stöbern in der Damenabteilung noch recht zäh von sich aber als wir dann im 3. Geschäft waren, klappte es schon ganz gut. Ich habe auch ein paar Sachen gefunden, die mir gefallen haben, aber leider waren sie immer eine Nummer zu klein. In einem Kaufhaus haben wir uns Kleider angesehen. Da wir uns mit der Größe nicht sicher waren, musste ich die Kleider wohl oder übel anprobieren. Da es bestimmt seltsam ausgesehen hätte, wenn ich mit zwei Kleidern die Umkleide der Damenabteilung alleine aufgesucht hätte, gingen wir zusammen in eine Kabine. Leider passte mir keins der Kleider richtig. Danach gingen wir zum Juwelier um mir Ohrlöcher stechen zu lassen. Simone ist raus gegangen, da sie sich das nicht mit ansehen konnte. Ich habe gehofft, dass ich schon zum Gala-Abend wunderschöne Ohranhänger tragen könne, aber ich muss die anitseptischen Ohrstecker mindestens vier Wochen drin lassen.
Leider habe ich kein einziges Kleidungsstück gefunden, was mir gefällt und passt, dafür hat sich meine Frau mit neuen Sachen eingedeckt. Mal sehen, vielleicht finde ich ja das nächste mal was.
Zum Schluss waren wir noch einmal bei Douglas. Simone hat sich ein neues Parfüm gekauft und meinte dass sie nichts dagegen hätte, wenn ich auch ihr Parfüm benutzen würde. Zu Hause angekommen, probierte ich dann erst einmal alle ihr Düfte durch bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das Parfüm, welches sie sich heute gekauft hat am besten an mir riecht. 

 

16.09.2007 Das Videoteam

Für heute um 16:00Uhr war ein Treffen mit einem Videoteam der FH-Bielefeld und einem Künstler in einem Mindener Café anberaumt. Da ich aber vorher noch kurz zu Katja musste, kam ich ins grübeln, ob ich vor dem dressen zu ihr fahre oder sie schon als Tamara besuche. Da die Zeit recht knapp wurde habe ich mich mich entschlossen als Tamara zu Katja zu fahren und von dort aus direkt zu Sonya.
Als ich mit Katja zusammen im Wohnzimmer saß, konnte Sie ihre Augen nicht von mir abwenden. Ständig musste sie jedes einzelne Detail von mir in sich aufnehmen. Sie war wirklich überrascht, dass ich in natura genauso gut rüberkomme wie auf den Fotos. Ich war wirklich erleichtert, dass sie mit Tamara so locker und ungezwungen umgeht wie mit dem Mann hinter Tamara.
Anschließend holte ich Sonya zu Hause ab und wir fuhren zusammen nach Minden. Natürlich mussten wir ausserhalb der Innenstadt parken und zu Fuss zum Café gehen. Neben Sonya fühlte ich mich wieder mal sehr sicher. Manche Leute tuschelten zwar, aber das machte mir nichts aus. Ich bin darauf gespannt wie ich fühlen werde, wenn ich mal alleine irgendwo hingehen muss.
Wir sind eine viertel Stunde zu früh im Café angekommen.  Sonya erkannte einen alten Bekannten, und so setzten wir uns, etwas abseits von ihm, draussen hin und bestellten einen Kaffee. Das Pärchen am Nebentisch war heftig am diskutierten. Er meinte: "Das ist eine Frau" und sie meine: "Das ist ein Mann". Leider haben wir nicht herausbekommen, ob diese Diskussion auf Sonya oder mich bezogen war, aber sicher war, dass sie darüber gegrübelt haben wie alt ich bin. Sie pendelten sich dann bei etwa 24 Jahren ein. Danke für das Kompliment!
Fast pünktlich kamen der Regisseur und der Kameramann. Der Künstler musste etwas später vom Bahnhof abgeholt werden. Leider hatte der Zug Verspätung und so sassen wir mit dem Regisseur  eine weitere Stunde draußen vor dem Café. Sonya und ich begafften die "Normalos" und hatten unseren Spass. Der Regisseur sass neben uns und wirkte etwas eingeschüchtert. Sonya versuchte ihn ein wenig aufzulockern und stellte einige Fragen. Beim antworten verhaspelte er sich vor Aufregung des öfteren.
Schließlich kam der Kameramann mit dem Künstler im Schlepptau zurück. Der Künstler machte einen lockeren und offenen Eindruck und fing gleich offen an zu reden.
Er stellte fragen über das "Wie" und "Warum", wo wir einkaufen, wie wir uns schminken und fühlen. Er beschrieb dann kurz was er vor hat und wobei wir ihm helfen können.
Der Künstler ist Musiker - bekannt aus der "neuen deutschen Welle" und ist gerade dabei eine neue CD aufzunehmen. Einer der Songs heisst "Das einsame Mädchen" und handelt von einem TV der auf dem Straßenstrich unterwegs ist. Der Musiker will diese Rolle in den Musikvideo selbst spielen, hat aber noch keine Idee, wie er an das Thema rangehen soll. Schließlich haben wir ihm vorgeschlagen ihn mal zu schminken und mit ihm einkaufen zu gehen. Dann musste er auch schon wieder zum Bahnhof, da sein Zug gleich abfahren würde. Am liebsten hätte er sich noch viel länger mit uns unterhalten.
Intermezzo:
Da ich Kaffee nicht so gut vertrage, muss ich ständig auf Toilette rennen, wenn ich einige Tassen getrunken habe. Ich habe zwar gehofft, dass ich meinen Harndrang aufhalten kann bis wir wieder bei Sonya zu Hause sind, aber schließlich bin ich voller Nöten so auf dem Stuhl hin und her gerutscht, dass ich wohl oder über zu Toilette gehen musste. Ich habe mich dann also aufgerafft, bin ins Lokal rein und habe die Bedienung nach der Toilette gefragt. "Hinten rechts" sagte sie. Als ich dann "hinten rechts" angekommen war, stellte ich verwundert fest, dass da "nur" die Damentoilette war! Ich wäre zwar sowieso auf die Damentoilette gegangen, war aber sehr erstaunt, dass sie mich direkt dort hin geschickt hat. Hat sie wirklich nicht gemerkt, dass ich eigentlich ein Mann bin? Schließlich hat Sie uns auch schon vorher draussen bedient! Ich muss unbedingt herausfinden, wo in dem Lokal die Herrentoilette ist.
Als ich gegen 23:00Uhr zu Hause angekommen und aus dem Auto ausgestiegen war, hatte ich noch keine Lust ins Haus zu gehen, denn dort musste ich ja wieder zum Mann werden. Ich fühlte mich als Tamara so wohl, dass ich mich gar nicht umziehen und abschminken wollte. Um den Zeitpunkt der Rückverwandlung noch ein bisschen hinaus zu zögern, zog ich mir meinen Mantel über und ging noch ein wenig die Straße hoch. 

 

19.09.2007 Bielefeld

Heute stellte sich uns die Frage ob wir (Dine, Maja, Wally, Conny und ich) diesmal ins "Magus" gehen oder ins Restaurant "Argentina". Da Conny angekündigt hat, dass evtl. ihre Kosmetikerin mitkommt, haben wir uns entschlossen lieber ein "seriöses" Lokal aufzusuchen. Wir trafen uns also um 19:30Uhr beim Argentinier. Leider kam Conny (sie erschien als Mann) ohne ihre Kosmetikerin.  Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten. Maja erzählte hinterher, dass der Kellner, als er die Bestellung aufnehmen wollte, nach Connys Bemerkung "Zuerst die Damen." bei mir angefangen hat. Dine meinte, dass ein Mann am Nachbartisch ständig interessiert zu mir herübergesehen hat. Von beiden Begebenheiten habe ich leider nichts mitbekommen. Auf jeden Fall war es wieder ein sehr netter und geselliger Abend, aber leider ist die Zeit wieder viel zu schnell vergangen!
Nachtag: Im nachhinein habe ich festgestellt, dass ich mich in dem Rock und Pumps glaube ich doch nicht so richtig wohl gefühlt habe. Es war irgendwie der falshe Anlass die Sachen zu tragen, obwohl ich sowohl den Rock als auch die Pumps ganz schön finde. 

 

22.09.2007 Makeup kaufen und das 3. Outing

Auf Majas Rat hin, bin ich heute Morgen noch einmal zur Kosemtikerin gefahren, bei der wir wenige Tage zuvor schon einmal waren um über das Lasern zu sprechen, um mir Makeup, passend zu meinem Abendkleid zu kaufen. Als Farbmuster habe ich die Stola des Kleides mitgenommen. Als ich den Laden betreten habe, fragte ich Sie, ob sie noch weiss, wer ich bin. Sie sagte "Hallo Herr XXX! Natürlich weiss ich noch wer Sie sind!". Ich muss wohl ziemlich erstaunt geduckt haben, weil sie sogar meinen Namen noch wusste. Ich war erleichtert, dass ich nicht um den heissen Brei herumreden musste, sondern gleich zu Sache kommen konnte. Sie zeigte mir mehrere Farbtöne und schließlich haben wir eine gute Kombi gefunden. Dann sagte sie mir noch, wie ich die beiden verschiedenen Lidschattentöne anwenden sollte und gab auch ein paar Tips. Hoffentlich bekomme ich das alles so hin. Ich werde auf jeden Fall vor dem Gala-Abend mal üben müssen!

Für den Abend habe ich mich mit meiner großen Schwester verabredet.  Ich hatte nicht ganz viel Zeit und fragte mich, ob ich ihr jetzt sage, dass ich ein Transgender bin, oder ob ich es ihr mal erzähle wenn ich mehr Zeit habe. Jetzt oder nie! Das ganze Gespräch war recht kurz und bündig. Ich hatte es mir komplizierter vorgestellt, denn schließlich ist es meine Schwester, die mich schon seit 35 Jahren kennt ... Ich habe sie gefragt, ob sie wisse was ein Transvestit sein. da hat sie ein wenig seltsam geguckt. Sie dachte das sind diese Typen, die sich Damenwäsche anziehen und dann Sex haben. Ich habe sie dann erst einmal aufgeklärt und ihr gesagt dass ich ein Transgender sei. Sie hat recht erstaunt geguckt, war aber nicht geschockt. Ich habe ihr dann noch einige Fotos gezeigt und sie hat mich auf den ersten nicht erkannt. Auch meine Schwester war daran recht interessiert. Leider hatten wir kaum Zeit uns zu unterhalten. Das holen wir aber bestimmt in den nächsten Tagen noch einmal nach. Sie hat sich sehr darüber gefreut, dass ich es ihr anvertraut habe. 

 

23.09.2007 Alles doof!

Für heute hatte ich mir vorgenommen, das Schminken für den Gala-Abend zu üben und ein paar Fotos in meinem Kleid zu machen.
Nachdem Simone und ich aufgestanden und einen Kaffee getrunken haben, haben wir uns auf unsere Fahrräder geschwungen und ein große Runde gedreht. Als wir wieder zu Hause waren, habe ich Kopfschmerzen bekommen und hatte zu nichts Lust. Ich habe dann unsere Website noch ein wenig optimiert und mich dann mit eine Kopfschmerztablette ins Bett gelegt. Eigentlich wollte ich nur eine Stunde schlafen um mich dann ans schminken zu machen aber ich bin erst um 16:30Uhr aufgewacht. Für ein komplettes Outfit incl. Anprobe war es schon recht spät, so dass ich mich nur ans schminken gemacht habe. Nach dem zweiten Anlauf wollte ich schon aufgeben, aber dann kam Simone ins Bad und hat sich auch mal daran gewagt mich zu schminken. Sie hat dann kapituliert und beschlossen, dass sie auch nicht schminken kann. Meine zwei Versuche sind auch völlig in die Hose gegangen. Ich hatte zum Schluss schon keine Lust mehr mich für den Gala-Abend zu schminken, da ich es in so kurzer Zeit sowieso nicht mehr lernen werde. Dummerweise ist der Schminkkurs erst nach dem Gala-Abend. Nicole hat angeboten, dass ihre Kosmetikerin uns am 6.10. schminkt, aber von einer Fremden Kosmetikerin möchte ich eigentlich die Hilfe nicht in Anspruch nehmen. Da ich recht ehrgeizig bin, möchte es am liebsten selbst mach, aber ich hoffe, dass Sonya mit beim schminken hilft oder mir es zumindest vorher noch einmal zeigt.
Gestern habe ich meine Perücke gewaschen und heute sieht sie aus wie eine explodierte Klobürste. Es sind zwar keine Knoten im Haar, aber die Perücke sieht jetzt rech strohig aus, der Pony fällt nicht mehr schön und die leichten Wellen im Haar sind jetzt auch weg. Ich habe keine Ahnung wie ich die wieder schick bekomme. 

 

26.09.2007 Outing Nr. 4 bei Jenny

Für heute haben Dine, Maja, Sonya und ich uns verabredet, um gemeinsam zu Jenny zu fahre, da sie Sonya und mich unbedingt kennen lernen und um mehr über uns Transgender zu erfahren. Jenny und Michael (Tamara) haben sich vor einigen Jahren in der Firma, in der meine Frau arbeitet, kennen gelernt, aber dann wieder für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Jenny weiss bis jetzt nicht, dass Tamara und Michael ein und dieselbe Person ist. Ich war etwas zu früh bei D+M+S angekommen, so dass wir noch etwas Zeit hatten, in der mir Maja zeigte, wie ich doch noch meine Klobürste retten konnte!
Um 18:45Uhr brachen wir dann zu Jenny auf. Eigentlich war ich den ganzen Tag ganz locker und auch noch bei der Begrüßung mit Jenny. In Ihrem Wohnzimmer habe ich dann wieder dieses merkwürdige Kribbeln in der Magengegend verspürt, was ich immer ganz kurz vor einem Outing oder den Gang in ein Restaurant oder der gleichen habe.
Dieses seltsame Gefühl verschwand jedoch wie immer wieder sehr schnell.
Sonya und ich haben Jenny auf der Couch in die Mitte genommen. Zuerst saß sie dort sehr eingeschüchtert, aber wir haben ihr glaube ich sehr schnell ihr Hemmungen vor uns genommen, so dass sie nach kurzer Zeit schon locker in ihrer der Ecke der Couch saß. Als sie dann ihre Fragen stellen sollte, viel ihr erst einmal keine einzige ein, so dass ich dann kurz erzählt habe, wie ich dazu gekommen bin ein Transgender zu sein. Dann erzählte Sonya ihren Werdegang. Ich musste mal wieder feststellen, dass Sonyas Retorik der meinen Haushoch überlegen ist. So kam ein Wort zum anderen und Jenny fing an ihre Fragen zu stellen. Später schalteten sich auch Dine und Maja in das Gespräch ein und es wurde eine sehr angeregte Unterhaltung. Ich vermute, dass Jenny jetzt noch mehr Fragen hat als vorher.
Irgend wann fragte ich dann, ob sie sich vorstellen könnte, das unter ihren Bekannten Transgender seien, ohne dass sie davon wüsste. Sie beantworte die Frage mit "Ja". Darauf hin grüßte ich sie von meiner Frau und bei Ihr viel der Groschen. Sie sagte, dass ihr das Lächeln und das Gesicht bekannt vorgekommen wäre, wusste aber nicht ganz genau wo sie mich zuordnen sollte. Jenny sagte, wenn ich ihr gerade nicht gesagt hätte wer ich bin, hätte sie am nächsten Tag Dine gefragt, denn Sie traute sich nicht, mich selbst darauf anzusprechen. Sie hätte nicht damit gerechnet, dass ich auch "so etwas mache".
Wieder einmal ging der Abend viel zu schnell herum. Gegen 22:00Uhr verabschiedeten wir uns von Jenny und fuhren noch auf einen Kaffee zu Maja und Sonya. Dort unterhielten wir uns noch eine Weile und schließlich trennten sich wieder unsere Wege.
Zu Hause angekommen, hatte ich das gleiche Problem wie an jedem Tag, an dem Tamara unterwegs ist: Ich wollte mich noch nicht in Micha zurückverwandeln. Da es draußen aber schon recht kalt war, habe ich mich noch ins Wohnzimmer an meinen Laptop gesetzt, an meinem Tagebuch geschrieben und die neusten Beiträge auf "Projekt en-femme" gelesen, denn abschminken und umziehen konnte ich mich auch später noch.
Da ich jetzt aber meinen Eintrag für heute fertiggeschrieben habe und schon recht müde bin, komme ich jetzt wohl doch nicht umhin, wieder Micha zu werden und all die schönen Erinnerungen und Gefühle des heutigen Tages in Michas Gedanken weiterzutragen. 

 

28.09.2007 Ein Tag voller Aufregung

Heute morgen hatten meine Frau und ich Meinungsverschiedenheiten. Was das Thema "Tamara" anbelangt, meinte sie, dass ich sie zu oft alleine alleine lasse, da Tamara zu viel unterwegs ist. Was der andere Grund unserer Auseinandersetzung ist, tut hier nichts zu Sache. Ich hatte einen Sondereinsatz in Bremen und habe den ganzen Weg hin und zurück über meine Frau und mich gegrübelt, was ich denn wohl falsch machen würde. Auf meine Job beim Kunden konnte ich mich nur mit Mühe konzentrieren. Zu Hause angekommen, war die Stimmung eher kühl. Wir haben uns dann zusammengerauft und noch einmal mit einander geredet. Dabei stellte sich heraus, dass sie gewisse Entscheidungen einfach nicht treffen wollte, um mich nicht zu bevormunden. Für mich war es einfach nur lieb gemeint sie um Ihre Meinung, ob ich denn weggehen könne oder nicht, zu fragen.
Nachdem das nun geklärt war, haben wir uns bei einem Kaffee noch länger unterhalten. Sie hat gedacht, dass ich als Tamara so eine Art Rollenspiel mache, zwar hat sie vermutet, dass da noch etwas mehr ist, aber wirklich sicher war sie nicht. Ich habe ihr dann noch einmal ganz genau erklärt war in mir vor geht und warum ich ab und zu Tamara bin. Gegen Abend sind wir Essen gefahren. Wir haben dann über Tamara und meine Gefühle geredet. Später hat sie mir erzählt, warum sie so locker reagiert hat, als ich mich geoutet habe. Sie hat seit dem 13 Lebensjahr den Wunsch, eigentlich ein Mann zu sein. Sie hat früher nur mit Jungs gespielt und auch Jungenkleidung getragen. Diesen Wunsch hat sie nach unser Hochzeit lange Zeit unterdrückt und explizit weibliche Kleidung getragen. Dabei war sie recht unglücklich und hat dann wieder angefangen "normale" Sachen anzuziehen, also Unisex oder Pullis und Hosen aus der Herrenabteilung und klobige Schuhe. Darum konnte sie also so gut nachvollziehen was mit mir los ist.
Seit heute Abend hat Sie noch mehr Verständnis für mein "Problem". Sie hat bedauert, dass zum Gala-Abend nur Damen geladen sind. Gern wäre sie als Mann erschienen, aber in ein Abendkleid würde sie sich auf keine Fall zwängen.
Auch hat sie geäußert, dass sie jetzt erst recht mal mit Tamara Essen gehen will. Die anderen Leute, mit denen ich in den letzten Wochen viel zusammen war, möchte sie bei Gelegenheit auch gerne mal kennen lernen!
Wie haben auch festgestellt, dass wir unterschwellig gegenseitig kleine Nachrichten dem anderen haben zukommen lassen, aber keine hat sie verstanden, da unsere Rollen irgendwie vertauscht sind. Wenn ich die passenden Worte finde, erkläre ich das noch einmal genauer. 

 

29.09.2007 Der Künstler und Anja

Um 9:00 sollte ich Soya abholen, weil wir uns um 10:00Uhr in einem Bielefelder Café mit dem Musiker treffen wollten. Zugegebener Weise war ich etwas früh da und habe Maja und Sonya aus dem Bett geklingelt. Dann fuhren wir (als Männer) los und in Bielefeld angekommen, hat uns der Musiker schon an der Eingangstür des Cafés abgefangen. Wahrscheinlich hat er sich beim unserem letzten Treffen sehr stark auf uns konzentriert, so dass er uns gleich erkannt hat. Wir setzten uns an einen ruhigen Tisch und besprachen das Drehbuch und wie er sich dressen und schminken konnte. Zuerst zeigten wir ihm verschiedene Makeups, wie man sich am besten rasiert und wie man kleine Makel abdecken kann. Dann schauten wir uns in einem Katalog einige Perücken an und suchte die für ihn passenden heraus. Zu guter letzt besprachen wir, was er denn anziehen könnte. Die Schuhe waren ein langes Thema. Zur Wahl standen Pumps und diverse Stiefel. Wir erzählten ihm etwas über die Vor- und Nachteile von High-Heels und Blockabsätzen und wie sich eine Frau mit hohen Absetzen bewegt. Er sollte schwarze Netz Netzstrümpfe, rote Stiefel, ein rotes Kleid und einen schwarzen Lackmantel tragen. Um 12:30Uhr mussten wir schon wieder nach PW fahren, da Anja schon eingetroffen war.
Maja hat sich in der Zwischenzeit schon einmal eingehend mit Anja unterhalten und ihre Geschichte erfahren. Da ich nicht dabei war, kann ich leider nicht ganz viel darüber schreiben. Auf jeden Fall weiss Anjas Frau, dass Anja sich gerne ab und an mal in eine Frau verwandelt. Leider versteht oder kennt sie die Hintergründe, warum ihr Mann das macht, nicht richtig oder stellt sich darunter was falsches vor.
Anja war heute das erste mal unter Gleichgesinnten. Wir halfen ihr beim schminken und dann habe wir es uns im Wohnzimmer bei einem kleinen Snack gemütlich gemacht. Vorher habe ich mich noch auf dem Hausflurm geschminkt und umgezogen. Anja war sehr aufgeregt und sehr glücklich über das, war da gerade mit ihr passiert. Sehr lange hat sie Maja in die Arme geschlossen und es war sehr rührend sich dies mit anzusehen. Wir unterhielten uns lange über Anjas Probleme und Wünsche und versuchten ihr noch einige Tips mit auf den Weg zu geben.  Nach einer kleinen Foto-Session tranken wir noch gemeinsam einen Kaffee und dann mussten wir uns auch schon wieder verabschieden. Wieder einmal ging ein Tag viel zu schnell um und gegen 17:00Uhr verabschiedeten wir uns. Ich hoffe, Anja hat dieser Tag ein wenig mehr Selbstvertrauen und den Mut, ihre Gefühle freien Lauf zu lassen gegeben. Ich habe mich sehr für Anja gefreut. Schon lange habe ich niemanden mehr so glücklich gesehen.
Zu Hause angekommen, haben Nathie (meine Frau) und Tamara etwas gegessen und danach habe ich noch einmal mein Abendkleid und die neuen Sandalen anprobiert. Einige Accessoires haben das Outfit vervollständigt und ich fühlte mich in dem Kleid jetzt auch wohler als das letzte mal!

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 22. Oktober 2008 um 16:50 Uhr
 
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