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Jennifers "Geburt" - Jennifer trifft auf ihre Partnerin PDF Drucken
Montag, den 23. Juni 2008 um 18:03 Uhr
Ich - Jennifer - möchte mal einen "kurzen" Bericht über Jennifers Geburt am Samstag den 14.06.2008 bei Maja und Sonya geben.
Da der Bericht doch nicht ganz so kurz geworden ist, habe ich ihn in drei Teile unterteilt.

Teil 1:

Vorgeschichte:
Seit ca. 30 Jahren bin ich heimlich Jennifer, da sich ein Teil von mir weiblich fühlt.
Ich habe nie jemanden von diesem weiblichen Teil in mir erzählt, weil ich mich dafür geschämt habe. Ich hielt mich selber für einen „Freak“, für nicht normal, für einen Einzelfall.
Mein „Werdegang“ als Jennifer unterscheidet sich sicher nicht von dem anderer
Transgender.
Immer wieder entsorgte ich meine weibliche Kleidung und beschloss mit dem Dressen für immer aufzuhören. Aber genau wie bei den meisten anderen
Transgender funktionierte das bei mir auch nicht.

Obwohl ich mal wieder alle Klamotten entsorgt hatte, bevor ich meine jetzige Partnerin kennen lernte, ließ der Drang zum Weiblichen nicht nach. Also schaute ich mir im Internet diverse Modeseiten an, und stellte mir vor wie mir diese Kleidung als Jennifer stehen würde.
Zu diesem Zeitpunkt benutzten meine Freundin und ich den gleichen Computer, da ich keinen eigenen hatte.
Leider vergaß ich die entsprechenden Seiten im Verlauf zu löschen und meine Freundin entdeckte diese.
Da ich als einziger noch Zugang zu ihrem PC hatte, stellte sie mich zur Rede.
Dermaßen überrumpelt beschloss ich ihr die Wahrheit zu sagen.
Sie war ziemlich geschockt, wie man sich denken kann und sofort kamen die üblichen Vorurteile: „Bist Du schwul?“; „Willst Du jetzt für immer als Frau leben?“, „Bist Du pervers?“ usw.

Ich versuchte ihr alles so gut es ging, und ich es selber wusste, zu erklären. Dazu zeigte ich ihr ein paar Seiten im Internet, die sich mit dieser Thematik befassten.
Doch ihre tiefen Ängste konnte ich nicht zerstreuen. Sie sah mich im Kopf immer als grell geschminkte „Transe“.
Das ist jetzt zwei Jahre her.

In der Folgezeit versuchten wir beide das Thema immer wieder zu verdrängen. Das funktionierte natürlich nicht wirklich. So stand Jennifer jetzt immer zwischen uns, was unserer Beziehung nicht gut tat. Meine Freundin wollte, verständlicherweise, mit jemand Außenstehendem darüber reden, aber ich hatte Angst vor einem weiteren Outing.

Obwohl wir schon eine Weile zusammen lebten, trennten wir uns wieder räumlich.
Derweil ging es in unserer Beziehung zu wie auf einer Achterbahn. Immer wieder mal kam Jennifer an die Oberfläche und sorgte für Unruhe.
Wir hatten beide Angst vor dem Moment an dem meine Freundin Jennifer zum ersten Mal sehen würde. Also verdrängten wir es wieder.

Dann entdeckte ich im Internet endlich eine Seite die sich vernünftig mit dem Thema
Transgender auseinander setzt: projekt-en-femme.
Hier bekam ich eine Menge Informationen und begriff ganz allmählich wie ich „tickte“.
Nachdem das Thema Jennifer mal wieder akut war, erzählte ich meiner Partnerin von dieser Seite und legte ihr vor allem Majas Tagebuch nahe.
Irgendwann nahm sie dann Kontakt zu Maja auf, und die Geschichte nahm ihren Lauf.
Teil 2:

Jennifers „Geburt“:
Maja und Sonya schlugen vor das meine Partnerin und ich zu ihnen kommen um zu reden und Jennifer vorzustellen. Sonya sollte mir dann noch beim Passing helfen (vor allem beim Schminken habe ich noch Probleme).
Nachdem meine Freundin es befürwortete willigte ich auch ein, aber mit ziemlichen Bauchschmerzen. Vor allem zwei Sätze meiner Freundin machten mir echt zu schaffen: „Ich kann mir nicht vorstellen das ich damit klarkomme, egal wie gut du geschminkt bist, das macht keinen Unterschied!“
„Wenn ich nicht damit klar komme müssen wir uns trennen!“
Das sagte sie mir mehrfach und ich spürte ihre Angst und Unsicherheit, je näher der Samstag kam.

Ich konnte die Einstellung meiner Freundin verstehen, aber das trug natürlich nicht dazu bei das ich ruhiger wurde. In den Tagen vor Samstag fuhren meine Gefühle Achterbahn. Einerseits hatte ich totale Angst meine Freundin zu verlieren, aber andererseits war mir klar dass es so nicht weiter gehen konnte. Wir redeten immer wieder über unsere Ängste und überlegten den Termin am Samstag zu streichen.

Dann kam der Samstag und wir stiegen beide mit ziemlichen Magenschmerzen ins Auto.
Vorher hatte ich noch eine Tasche gepackt mit Sachen für Jennifer. Ich suchte die Sachen aus, von denen ich meinte das sie meiner Freundin vom Stil her gefallen würden.
Ich bin vom Stil her eher konservativ, während meine Freundin ein bisschen flippig ist.

Während der Fahrt versuchten wir uns immer wieder mit Gesprächen über andere Themen abzulenken. Doch umso näher wir dem Zielort kamen umso mehr stieg die Nervosität.
An dem Samstag sollte zum ersten Mal jemand Jennifer zu Gesicht bekommen. Dazu kam das wir ja Maja und Sonya noch gar nicht persönlich kannten.

Bei ihnen zu Hause angelangt stiegen wir dann aber doch aus dem Auto. Wir wurden direkt herzlich begrüßt und umarmt. Das nahm uns unsere erste Angst ein wenig.
Zunächst setzten wir uns ins Wohnzimmer und Sonya und Maja gaben uns eine Menge Informationen. Das unsere Köpfe nicht anfingen zu qualmen, lag sicher an unserem großem Wissensdurst. Immer wieder fragte uns Maja nach unserem Befinden. Bei meiner Freundin kullerte dann auch die ein oder andere Träne, so dass Maja zu mir meinte, das es wohl nicht zur Gegenüberstellung mit Jennifer kommen werde, da meine Freundin dafür wahrscheinlich noch nicht bereit sei.
Auch meine Gefühle schwankten zwischen Erwartung und Panik hin und her. Mein Magen fühlte bleischwer an. Ich war nicht einmal in der Lage den leckeren Kuchen zu mir zu nehmen.

Doch dann, nachdem wir schon ein paar Stunden geredet hatten, bekamen Sonya und ich das Zeichen nach oben zu gehen und Jennifer zu stylen. Derweil bereitete Maja meine Freundin auf Jennifer vor.

Also gingen wir nach oben. Ich suchte mir einen schwarzen Jeansrock und schwarze Pumps aus meinen Sachen aus. Nur mit den Blusen die ich mit hatte, war Sonya nicht ganz zufrieden. So bekam ich von ihr ein moderneres Shirt geliehen.
Jetzt ging es ins Badezimmer zum Schminken. Sonya erklärte mir, auf meinen Wunsch hin, jeden einzelnen Schritt des Makeups. Immer wieder schaute ich in den Spiegel um die schritte nachvollziehen zu können. Sonya musste mich ein paar Mal ermahnen nicht so oft den Kopf zum Spiegel zu drehen, da sie dann Probleme beim Schminken hätte.
Plötzlich merke ich wie mir der Kreislauf wegsackt und ich fast umkippe. Ich muss mich einen Augenblick setzen. Hier rächt es sich das ich den ganzen Tag nichts essen konnte und dazu kommt noch die Aufregung. Erst nachdem mir Sonya ein Glas Wasser und einen Schokoriegel brachte, ging es mir allmählich wieder besser.

Schließlich war Sonya mit dem Schminken fertig und ich brauchte noch eine passende Perücke. Meine eigene Perücke hatte zu kurze Haare und passte nicht wirklich zu Jennifer.
So probierte ich einige Perücken von Sonya auf, bis ich bei einer Perücke mit langen welligen Haaren in den Spiegel schaute und wusste, das bin ich, das ist Jennifer!

Als Sonya mir dann noch anbot mir diese Perücke für einen kleinen Obolus zu überlassen, da sie von ihr schon lange nicht mehr getragen würde, war ich richtig happy. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich zu 100 % auch äußerlich als Jennifer. Sonya meinte später das meine Augen geleuchtet haben. Das kam wahrscheinlich von den Tränen der Rührung.

Nun sollte es zur Gegenüberstellung mit meiner Freundin kommen. Langsam und mit zitternden Beinen stieg ich die Treppe hinab. Die Tür zum Wohnzimmer war geschlossen und ich musste sie erst öffnen. Ich blieb direkt im Eingang zum Wohnzimmer stehen und schaute meine Freundin verlegen und ängstlich an. Sie musterte mich von oben bis unten und sagte eine Weile nichts mehr. Ich stand da und wäre am liebsten im Boden versunken.
Diese paar Sekunden kamen mir wie Stunden vor.
Auf einmal sagte meine Partnerin: „Du siehst aus wie meine Freundin Regina“
Sie lächelte ein wenig.
Das Eis war gebrochen. Immer noch etwas unsicher setzte ich mich neben meine Freundin aufs Sofa. Immer wieder mustert sie mich beinahe ungläubig von der Seite.
Langsam wird die Stimmung wieder etwas lockerer und wir setzen die Unterhaltung fort.

Als vorgeschlagen wird auf der Terrasse ein paar Fotos von Jennifer zu machen, sage ich nicht nein. Mein Posing ist allerdings noch verbesserungswürdig.
Nach den Fotos setzten wir uns wieder. Draußen war es doch ganz schön frisch.
Wir unterhalten uns weiter, bis ein Anruf kommt.
Maja fragte uns ob es ok wäre wenn noch ein paar andere
Transgender mit ihren Partnerinnen kämen. Wir hatten keine Einwände und so lernten wir direkt auch noch Tamara, Nathie, Jessy und Elena kennen. Sie wollten eigentlich noch ein bisschen ausgehen. Überraschenderweise hätte meine Freundin nichts dagegen gehabt mit Jennifer mitzugehen. Doch Maja und Sonya rieten uns eindringlich davon ab, etwas zu überstürzen. Wir sollten die an diesem Abend gewonnenen Eindrücke erst einmal verarbeiten. Die anderen gingen dann uns zuliebe doch nicht mehr weg und blieben.
Der Abend dauerte bis tief in die Nacht hinein. Irgendwann kam leider der Zeitpunkt wo Jennifer wieder nach oben zum Abschminken musste.
Nachdem wir uns dann von allen verabschiedet hatten, fuhren wir wieder nach Hause wo wir gegen 4:30 Uhr ankamen.

Ich habe an diesem Abend wirklich sehr liebenswürdige und aufgeschlossene Menschen kennen gelernt, die ich hoffentlich noch möglichst oft treffen kann.
Ich danke Euch allen für diesen am Ende sehr schönen Abend.
Teil 3:


Nachtrag:
Die Geschichte hat zwar nicht direkt ein Happy End (obwohl ein kleines schon, wir sind noch zusammen), aber wir sind auf dem Weg dahin.

Seit meine Partnerin Jennifer gesehen hat, bewegen wir uns in unserer Beziehung wieder aufeinander zu. Wir gehen wieder viel liebevoller miteinander um, da die Ängste die mein Outing vor zwei Jahren verursacht hat, nicht mehr zwischen uns stehen.
Es hat sich herausgestellt das unsere schlimmsten Ängste und Befürchtungen nur in unserem Kopf existierten und nichts mit der Realität zu tun haben. Meine Freundin berät Jennifer jetzt sogar in Modefragen.
Es ist natürlich noch ein weiter Weg zur „Normalität“ und ich muss aufpassen das ich vor lauter Euphorie nicht den Boden unter den Füßen verliere.
Zumindest in der Woche nach Jennifers Geburt, hat mich der berufliche Stress auf dem Boden bleiben lassen. Allerdings hatte ich dadurch auch nicht wirklich viel Zeit alle Eindrücke zu verarbeiten.

Wir machen wieder Pläne für eine gemeinsame Zukunft und ich bin überglücklich das wir noch eine Zukunft haben. Denn eines weiß ich ganz genau, so wenig wie ich Jennifer aufgeben kann, so wenig möchte ich die Liebe meiner Partnerin verlieren. Denn ich liebe sie mehr als jeden anderen Menschen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 23. Juni 2008 um 20:04 Uhr
 
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